Zeitung des Antikriegskomitees Kein Blut für Öl

Nummer 0 – Dezember 2001 / Januar 02 €uro 0,20


WWW.KEIN-BLUT-FUER-OEL.DE

 

Keine Bomben auf Somalia!
Wichtige Homepages zum Thema:
Die Ölvorkommen in Amerika versiegen
Pipeline von Kasachstan durch Afghanistan zum Golf

 

Der Krieg ist nicht vorbei - noch lange nicht

Keine Bomben auf Somalia!

Nachdem die USA mit ihrer ersten Schlacht im „Krieg gegen den Terror“ die Kontrolle in Afghanistan übernehmen konnten und eine neue Regierung eingesetzt worden ist, scheint der Krieg sich seinem Ende zuzuneigen. Was ist aus Bushs Ankündigung vom September geworden, die USA begäben sich in einen langen und verlustreichen  Krieg?  Können  wir  diese Vorausschau  getrost  vergessen,  unsere Flugblätter einpacken und den Termin für die nächste Demo aus unserem Kalender streichen?  Sicherlich  nicht.  Stattdessen müssen wir uns mit der Realität konfrontieren, die nicht Frieden, sondern Krieg lautet.
Bush kündigte seinen ,Verteidigungs‘- Krieg nicht ohne Grund als lang und verlustreich an, denn er hatte ein klares Ziel vor Augen: Nach den Anschlägen am 11. September bot sich ihm die einzigartige Gelegenheit, einen für Amerikas Stellung als  Weltmacht  existentiell  notwendigen Krieg als pure ,Verteidigung gegen den Terrorismus‘  zu  verkaufen.  Das  ein  40 Milliarden Dollar teurer Krieg gegen die Einzelperson Bin Laden jeder Logik entbehrt, sollte klar sein. Nicht nur sein Aufenthalt  ist  nach  wie  vor  unbekannt, so dass die „Suche nach der Nadel im Heuhaufen“ ziemlich unsinnig ist, auch unzählige unschuldige Zivilopfer sind zu beklagen,  und  aus  Krieg  entsteht für gewöhnlich neuer Terrorismus. Thesen  für  die Unsinnigkeit des US-Vorgehens lassen sich noch beliebig weiterführen und wer unsere letzten Flugblätter gelesen hat, hat sie dort sicher schon finden können, doch hier geht es um etwas anderes. Für die USA und ihren Präsidenten Bush ist es nämlich gar nicht unsinnig, einen Krieg gegen Afghanistan zu führen.
Es ist abzusehen, dass die USA in einigen Jahren voraussichtlich jährlich einen Verlust von 400 Mio. Tonnen Erdöl haben werden, der zur Sicherung der Wirtschaft ersetzt werden muss. Eine Pipeline von Kasachstan    könnte  jährlich  50.  Mio Tonnen  Erdöl  für  die  USA  garantieren. Allerdings  könnte  diese  nur  über  Iran, Russland, Aserbaidschan, Armenien, die Türkei oder aber durch Afghanistan zum Indischen  Ozean  führen.  Die  einzige ,sichere‘Route, die der USA Unabhängigkeit von Russland und relative Konfliktfreiheit garantiert,  ist  die  über Afghanistan, in der es ,nur‘ den Konflikt mit den Taliban gibt, mit denen übrigens schon intensiv über diese Pipeline verhandelt wurde. Dieses erste Ziel, die Sicherung von 50 Mio. Tonnen Öl, haben die USA nun also erreicht, unter der neuen Regierung  steht  nichts  dem  Bau  einer Pipeline entgegen.


Somalia

Was aber hat dies alles mit Somalia zu tun? Nun, Somalia ist das nächste Land, gegen das der „Krieg gegen den Terror“ geplant ist. ‘Die Welt’ berichtet, dass Vertreter eines Treffens der Nato-Verteidigungsminister  in  Brüssel  erklärten,  „die  Frage  sei  nicht  mehr,  ob  in Somalia eingegriffen werde, sondern nur noch wann und mit welchen Mitteln“ (Die   Welt,   19.12.2001,   Internet-Ausgabe).  „Französische  Einheiten sowie ein Vorauskommando der deutschen Marine befinden sich bereits in der  früheren französischen KolonieDschibuti“  (Die  Welt,  10.12.),  die  direkt  an  der Nordwestgrenze Somalias liegt.
Somalia selbst ist ein durch Bürgerkriege völlig zerrüttetes  Land. Seit August 2000 sind hier alle Versuche gescheitert, eine Zentralregierung zu errichten. Verschiedene gegeneinander konkurrierende Clans kämpfen unter ihren Kriegsherren um die Macht, wobei es die Industriestaaten waren, die die Bevölkerungsgruppen des Landes in ihrem Kampf um ,Einflusssphären‘ gegeneinander aufgehetzt haben.
Die USA rechtfertigen den geplanten Militärschlag der Nato mit dem Vorwand, die Anschläge auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania 1998 seien von Somalia aus geplant worden. Für ihre Intervention sind die Vereingten Staaten sich nicht einmal zu Schade, General Aidid und seine Truppen auszurüsten (Die Welt, 10.12.), dessen Vater 1993 die  nackten  Leichen  von  US-Soldaten  durch  die Straßen Mogadischus schleifen ließ, der ehemaligen somalischen Hauptstadt.
Aber was für Gründe gibt es für den Nato-Einmarsch, wenn man die vorgeschobene ,Terrorismus-Bekämpfung‘ außer Acht lässt? Somalia liegt am Golf von Aden, der Meerenge, die das Rote und das Arabische Meer miteinander verbindet. Diese Stelle ist nicht nur ein entscheidender Durchgang  für  die  gesamte  Schifffahrt  in  den Mittelmeer-Bereich, sondern bietet auch die kürzeste Route in die USA. Allein 80% aller Öltanker aus  und nahezu alle Kriegsschiffe in den Nahen Osten müssen  diese  Meerenge  passieren.  Somit  hat  sie  für Handel und Politik eine sehr wichtige Bedeutung. Noch  gravierender  wird  diese  Tatsache  durch  die geografischen Gegebenheiten, da die Meerenge so schmal  ist,  dass  schon  der  Untergang  (bzw.  das Versenken)  von  drei  Tankern  diese  unpassierbar machen  würde.  Es  ist  also  für  die  Nato  und  die Vereinigten  Staaten  von  allergrößter  Wichtigkeit, dieses ,Nadelöhr‘ kontrollieren zu können, und so brauchen sie eine US-loyale Regierung in Somalia. Einen Nebenaspekt bilden auch hier direkte Erdölvorkommen im Land, die in Somalia vermutet werden. Diese Ölfelder stellen eine potentielle Quelle dar, mit denen die USA ihr bedrohlich nah gerücktes Defizit auffüllen könnten.
Wir müssen also realisieren, dass auch dieser Krieg nicht zum Schutze der unterdrückten Bevölkerung in Somalia geführt werden wird, sondern genauso wie der  Krieg  gegen  Afghanistan  als  Angriffskrieg  zu bewerten ist. Ökonomische Interessen sind es, die die USA und mit ihr die NATO dazu führen, sich als ‚Weltpolizei‘ zu rüsten, und nicht eine humanitäre Idee. Das aber können wir nicht zulassen! Es ist unsere  Aufgabe,  diesen  Krieg  zu  verhindern,  nein  zu sagen  zu  den  Machtansprüchen  der  westlichen Länder.
Der Krieg in Somalia wird sonst nicht der letzte bleiben,  denn  wie  wir  alle  vom  Präsidenten  der Supermacht USA, George Walker Bush, wissen, wird dieser Krieg „lang und verlustreich“ sein. Die als nächste Kriegsziele anvisierten Länder hat er auch schon in seiner Liste der „Schurkenstaaten“ genannt: Irak,  Iran,  Libyen,  Syrien,  Sudan  und  Nordkorea. Und auch die Eskalation des Krieges lässt sich kaum vorher  sehen,  denn  die  ,Anti-Terror-Koalition‘  ist nicht nur in islamische und christliche Länder gespalten. Eine ihrer Bruchlinien verläuft auch zwischen den Industrieländern, die sich bald auch untereinander um die immer knapper werdenden Ölressourcen streiten werden.
Wir  dürfen  dies  nicht  blindlings  mitmachen! Wehren wir uns!

 

Wichtige Homepages zum Thema:

1)           Die zuneige gehenden Erdölreserven
http://www.harbornet.com/folks/theedrich/hive/Deutsch/Oelkrise.htm#TEIL1
: Dies ist ein Bericht von der Enquete Kommission des Deutschen Bundestages zu den Erdöl- und Erdgas Reserven in der Welt.

2)           Das Werk der USA : Das Taliban Regime
http://www.wdr.de/tv/weltspiegel/20011028_afghanistanundberlin.html
: Das Ende der Unterstützung der USA für die Taliban

3)           Die Ziele von Bush Angriffskrieg
http://www.stern.de/politik/news/tagesthema/artikel_40680.html?seite=1
: The Germans to the front! Essay von Heinrich Jaenecke

4)           Der Krieg geht weiter : Somalia, Irak .. ?
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,173871,00.html
: Schlaflos in Mogadischu, Somalia der nächste Kriegsschauplatz

 

Die Ölvorkommen in Amerika versiegen

Die  Ölvorkommen  in  Amerika  versiegen.  Von  835  Mio. Tonnen, die die USA verbrauchen, fallen damit in den nächsten 5 Jahren ca. 400 Mio. Tonnen weg, also fast die Hälfte. Wenn die USA nicht unbedingt neue Quellen gewinnen, werden sie die Vormachtstellung  in  der  Welt  verlieren.  Nun  stehen  die Vereinigten Staaten mit dem Rücken an der Wand, und deshalb braucht Bush um jeden Preis die Erdölpipeline über 50 Mio. Tonnen  von  Kasachstan  über  Afghanistan  zum  Indischen Ozean. Deshalb wird dieser Krieg geführt, und Mr. Bush ist zu dem  Risiko  bereit,  die  Menschheit  in  einen  3.  Weltkrieg  zu führen. Deshalb hat er sich weitere Kriege gegen 7 Ölländer (wo Öl ist, ist auch Gegenterror) von der UNO bereits genehmigen lassen.
Die  Geschichte  des  Erdöls  ist  auch  die  Geschichte  von Kriegen  und  Unterdrückung,  und  dann  natürlich  auch  die Geschichte  von  Befreiungskämpfen  und  Gegenterror.  Die Geschichte Bin Ladens ist also auch die Geschichte des Erdöls. So begegnen wir wieder entlang der 1996 von Kissinger mit den Taliban ausgehandelten Pipeline einem Bin Laden und seiner Al Kaida-Truppe. Sie operiert aber in 50 Ländern und kann gar nicht mit Bomben besiegt werden. Will man die Geschichte des Gegenterrors beenden, darf man auch die Geschichte des Öls nicht mehr mit Terror schreiben.

Brasilianische Bischöfe: Die USA führen Krieg wegen Öl
Auch nach Ansicht der Brasilianischen Bischofkonferenz führen die USA ihren Krieg in Zentralasien in erster Linie wegen  Öl.  Es  geht  laut  den  katholischen  Bischöfen Brasiliens in erster Linie um  »die Bewahrung der westlichen Kontrolle über die Öl- und Gastransportrouten ... Die Gas- und Ölreserven in Zentralsaien und im Kaspischen Meer wären für den Westen eine Alternative, wenn in 20
Jahren die Vorräte im Mittleren Osten zu Ende gingen«.
(‘Frankfurter Rundschau’, 8.12.2001)

 

Pipeline von Kasachstan durch Afghanistan zum Golf


In Kasachstan lagern die zweitgrößten Erdölreserven weltweit (schätzungsweise 23-28 Mrd. Tonnen), wovon die USA den größten Anteil haben.
Russland plant für 2002 eine Öl-Pipeline mit der siebenfachen Kapazität aller bisherigen Pipelines   (Tageskapazität 700.000 Barrel) und drohen somit, die USA vom zweiten Platz in der Ölförderung zu verdrängen.
Wie  stark die Weltwirtschaft  von  der  Ölindustrie abhängig ist, sah man vor einer Woche, als der Ölpreis stieg, was die Inflationsraten aller Länder ebenfalls steigen ließ und damit das Weltwirtschaftswachstum  abschwächte. Der führende Erdölförderer hat damit gleichzeitig die Kontrolle über den gesamten Weltmarkt.
Mit der russischen ,Riesen-Pipeline‘ droht Amerika, die Kontrolle in der Ölindustrie zu verlieren und kann  diesen drohenden Verlust  nur  wettmachen  mit einer eigenen Pipeline. Die USA haben in Kasachstan eine Öl- Pipeline  durch  Russland,  Aserbaidschan und Georgien bis hin zum Schwarzen Meer. Diese Pipeline wurde  1998 in Betrieb genommen und hat eine maximale Tageskapazität von 100.000 Barrel.
Eine weitere Pipeline plant die USA schon seit Jahren durch Russland, Aserbaidschan, Armenien und Kurdistan. Diese beiden Alternativen sind aber für die USA zu unsicher. In Kurdistan sind die  politischen  Verhältnisse  wegen  des Befreiungskampfes gegen den türkischen Staat zu instabil. Aserbaidschan und Armenien halten nur Waffenstillstand auf Druck der USA, der Krieg könnte jederzeit wieder ausbrechen. Außerdem können keine Supertanker gefahrlos den Bosporus passieren.  Russland  ist  der  Hauptkonkurrent Amerikas und könnte die USA mit Zudrehen des Ölhahns erpressen.
Also muss  unbedingt eine dritte Alternative her. Mit dem Iran konnte das Ölkonsortium keine Einigung erzielen. Da China auch ein Konkurrent ist und nicht in Frage kommt, bleibt nur Afghanistan. Wenn Amerika  die  Pipeline durch Afghanistan nicht bauen würde, drohte ihnen die Kontrolle des Weltmarktes ganz schnell zu entgleiten. Sie haben schon seit 1970 20% weniger Öl gefördert und die amerikanischen Ölfelder in Mexiko und Venezuela können zudem nicht ausgeweitet werden.
Die US-Ölindustrie will natürlich auf alle Fälle die Kontrolle des Weltmarktes nicht verlieren und benötigt daher die Pipeline durch Afghanistan, koste es was es  wolle. General a.D. Gerd Schmückle, ehemals stellvertre- tender  NATO-Oberbefehlshaber,  über die Interventionsziele der NATO:
»Letzten Endes entscheiden die Interessen des Westens, hauptsächlich das Interesse der Vereinigten  Staaten,  darüber, wo interveniert wird. Alles dreht sich um die Ökonomie. Wo gibt es Öl, wo sind die zukünftigen Ölquellen?«
(Interview in: 'Die Woche', 1.4.1999)
Kriegsminister  Scharping  hatte  schon am Mittwoch im Zusammenhang mit dem Krieg  in  Afghanistan  über  Kasachstan gesprochen, die Umgebung sei zu unruhig und  eine  militärische  Lösung  wäre  not- wendig.
Die Taliban haben sich mit den USA zerstritten und verweigern ihnen den Bau der Pipeline. Das heißt für Bush: Sie müssen  weg.  Es  gibt  schon  seit  Jahren  die Überlegung   der   USA,   wie   sie   den Pipelinebau  durchsetzen  können.  Die Weltöffentlichkeit war aber immer zu aufmerksam und zu kritisch und es haben sich keine Gelegenheiten geboten.
Durch die angebliche Vorlage von Bin Laden, den Anschlag auf das World Trade Center zu verüben, ist die Weltöffentlichkeit abgelenkt und bemerkt das Verbrechen nicht.

Kein Blut für Öl!

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