Der Krieg ist nicht vorbei - noch lange nicht
Keine Bomben auf Somalia!
Nachdem die USA mit ihrer ersten Schlacht im „Krieg gegen den Terror“ die Kontrolle in Afghanistan übernehmen konnten und eine neue Regierung eingesetzt worden ist, scheint der Krieg sich seinem Ende zuzuneigen. Was ist aus Bushs Ankündigung vom September geworden, die USA begäben sich in einen langen und verlustreichen Krieg? Können wir diese Vorausschau getrost vergessen, unsere Flugblätter einpacken und den Termin für die nächste Demo aus unserem Kalender streichen? Sicherlich nicht. Stattdessen müssen wir uns mit der Realität konfrontieren, die nicht Frieden, sondern Krieg lautet.
Bush kündigte seinen ,Verteidigungs‘- Krieg nicht ohne Grund als lang und verlustreich an, denn er hatte ein klares Ziel vor Augen: Nach den Anschlägen am 11. September bot sich ihm die einzigartige Gelegenheit, einen für Amerikas Stellung als Weltmacht existentiell notwendigen Krieg als pure ,Verteidigung gegen den Terrorismus‘ zu verkaufen. Das ein 40 Milliarden Dollar teurer Krieg gegen die Einzelperson Bin Laden jeder Logik entbehrt, sollte klar sein. Nicht nur sein Aufenthalt ist nach wie vor unbekannt, so dass die „Suche nach der Nadel im Heuhaufen“ ziemlich unsinnig ist, auch unzählige unschuldige Zivilopfer sind zu beklagen, und aus Krieg entsteht für gewöhnlich neuer Terrorismus. Thesen für die Unsinnigkeit des US-Vorgehens lassen sich noch beliebig weiterführen und wer unsere letzten Flugblätter gelesen hat, hat sie dort sicher schon finden können, doch hier geht es um etwas anderes. Für die USA und ihren Präsidenten Bush ist es nämlich gar nicht unsinnig, einen Krieg gegen Afghanistan zu führen.
Es ist abzusehen, dass die USA in einigen Jahren voraussichtlich jährlich einen Verlust von 400 Mio. Tonnen Erdöl haben werden, der zur Sicherung der Wirtschaft ersetzt werden muss. Eine Pipeline von Kasachstan könnte jährlich 50. Mio Tonnen Erdöl für die USA garantieren. Allerdings könnte diese nur über Iran, Russland, Aserbaidschan, Armenien, die Türkei oder aber durch Afghanistan zum Indischen Ozean führen. Die einzige ,sichere‘Route, die der USA Unabhängigkeit von Russland und relative Konfliktfreiheit garantiert, ist die über Afghanistan, in der es ,nur‘ den Konflikt mit den Taliban gibt, mit denen übrigens schon intensiv über diese Pipeline verhandelt wurde. Dieses erste Ziel, die Sicherung von 50 Mio. Tonnen Öl, haben die USA nun also erreicht, unter der neuen Regierung steht nichts dem Bau einer Pipeline entgegen.
Somalia
Was aber hat dies alles mit Somalia zu tun? Nun, Somalia ist das nächste Land, gegen das der „Krieg gegen den Terror“ geplant ist. ‘Die Welt’ berichtet, dass Vertreter eines Treffens der Nato-Verteidigungsminister in Brüssel erklärten, „die Frage sei nicht mehr, ob in Somalia eingegriffen werde, sondern nur noch wann und mit welchen Mitteln“ (Die Welt, 19.12.2001, Internet-Ausgabe). „Französische Einheiten sowie ein Vorauskommando der deutschen Marine befinden sich bereits in der früheren französischen KolonieDschibuti“ (Die Welt, 10.12.), die direkt an der Nordwestgrenze Somalias liegt.
Somalia selbst ist ein durch Bürgerkriege völlig zerrüttetes Land. Seit August 2000 sind hier alle Versuche gescheitert, eine Zentralregierung zu errichten. Verschiedene gegeneinander konkurrierende Clans kämpfen unter ihren Kriegsherren um die Macht, wobei es die Industriestaaten waren, die die Bevölkerungsgruppen des Landes in ihrem Kampf um ,Einflusssphären‘ gegeneinander aufgehetzt haben.
Die USA rechtfertigen den geplanten Militärschlag der Nato mit dem Vorwand, die Anschläge auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania 1998 seien von Somalia aus geplant worden. Für ihre Intervention sind die Vereingten Staaten sich nicht einmal zu Schade, General Aidid und seine Truppen auszurüsten (Die Welt, 10.12.), dessen Vater 1993 die nackten Leichen von US-Soldaten durch die Straßen Mogadischus schleifen ließ, der ehemaligen somalischen Hauptstadt.
Aber was für Gründe gibt es für den Nato-Einmarsch, wenn man die vorgeschobene ,Terrorismus-Bekämpfung‘ außer Acht lässt? Somalia liegt am Golf von Aden, der Meerenge, die das Rote und das Arabische Meer miteinander verbindet. Diese Stelle ist nicht nur ein entscheidender Durchgang für die gesamte Schifffahrt in den Mittelmeer-Bereich, sondern bietet auch die kürzeste Route in die USA. Allein 80% aller Öltanker aus und nahezu alle Kriegsschiffe in den Nahen Osten müssen diese Meerenge passieren. Somit hat sie für Handel und Politik eine sehr wichtige Bedeutung. Noch gravierender wird diese Tatsache durch die geografischen Gegebenheiten, da die Meerenge so schmal ist, dass schon der Untergang (bzw. das Versenken) von drei Tankern diese unpassierbar machen würde. Es ist also für die Nato und die Vereinigten Staaten von allergrößter Wichtigkeit, dieses ,Nadelöhr‘ kontrollieren zu können, und so brauchen sie eine US-loyale Regierung in Somalia. Einen Nebenaspekt bilden auch hier direkte Erdölvorkommen im Land, die in Somalia vermutet werden. Diese Ölfelder stellen eine potentielle Quelle dar, mit denen die USA ihr bedrohlich nah gerücktes Defizit auffüllen könnten.
Wir müssen also realisieren, dass auch dieser Krieg nicht zum Schutze der unterdrückten Bevölkerung in Somalia geführt werden wird, sondern genauso wie der Krieg gegen Afghanistan als Angriffskrieg zu bewerten ist. Ökonomische Interessen sind es, die die USA und mit ihr die NATO dazu führen, sich als ‚Weltpolizei‘ zu rüsten, und nicht eine humanitäre Idee. Das aber können wir nicht zulassen! Es ist unsere Aufgabe, diesen Krieg zu verhindern, nein zu sagen zu den Machtansprüchen der westlichen Länder.
Der Krieg in Somalia wird sonst nicht der letzte bleiben, denn wie wir alle vom Präsidenten der Supermacht USA, George Walker Bush, wissen, wird dieser Krieg „lang und verlustreich“ sein. Die als nächste Kriegsziele anvisierten Länder hat er auch schon in seiner Liste der „Schurkenstaaten“ genannt: Irak, Iran, Libyen, Syrien, Sudan und Nordkorea. Und auch die Eskalation des Krieges lässt sich kaum vorher sehen, denn die ,Anti-Terror-Koalition‘ ist nicht nur in islamische und christliche Länder gespalten. Eine ihrer Bruchlinien verläuft auch zwischen den Industrieländern, die sich bald auch untereinander um die immer knapper werdenden Ölressourcen streiten werden.
Wir dürfen dies nicht blindlings mitmachen! Wehren wir uns!
Wichtige Homepages zum Thema:
1) Die zuneige gehenden Erdölreserven
http://www.harbornet.com/folks/theedrich/hive/Deutsch/Oelkrise.htm#TEIL1
: Dies ist ein Bericht von der Enquete Kommission des Deutschen Bundestages zu den Erdöl- und Erdgas Reserven in der Welt.
2) Das Werk der USA : Das Taliban Regime
http://www.wdr.de/tv/weltspiegel/20011028_afghanistanundberlin.html
: Das Ende der Unterstützung der USA für die Taliban
3) Die Ziele von Bush Angriffskrieg
http://www.stern.de/politik/news/tagesthema/artikel_40680.html?seite=1
: The Germans to the front! Essay von Heinrich Jaenecke
4) Der Krieg geht weiter : Somalia, Irak .. ?
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,173871,00.html
: Schlaflos in Mogadischu, Somalia der nächste Kriegsschauplatz
Die Ölvorkommen in Amerika versiegen
Die Ölvorkommen in Amerika versiegen. Von 835 Mio. Tonnen, die die USA verbrauchen, fallen damit in den nächsten 5 Jahren ca. 400 Mio. Tonnen weg, also fast die Hälfte. Wenn die USA nicht unbedingt neue Quellen gewinnen, werden sie die Vormachtstellung in der Welt verlieren. Nun stehen die Vereinigten Staaten mit dem Rücken an der Wand, und deshalb braucht Bush um jeden Preis die Erdölpipeline über 50 Mio. Tonnen von Kasachstan über Afghanistan zum Indischen Ozean. Deshalb wird dieser Krieg geführt, und Mr. Bush ist zu dem Risiko bereit, die Menschheit in einen 3. Weltkrieg zu führen. Deshalb hat er sich weitere Kriege gegen 7 Ölländer (wo Öl ist, ist auch Gegenterror) von der UNO bereits genehmigen lassen.
Die Geschichte des Erdöls ist auch die Geschichte von Kriegen und Unterdrückung, und dann natürlich auch die Geschichte von Befreiungskämpfen und Gegenterror. Die Geschichte Bin Ladens ist also auch die Geschichte des Erdöls. So begegnen wir wieder entlang der 1996 von Kissinger mit den Taliban ausgehandelten Pipeline einem Bin Laden und seiner Al Kaida-Truppe. Sie operiert aber in 50 Ländern und kann gar nicht mit Bomben besiegt werden. Will man die Geschichte des Gegenterrors beenden, darf man auch die Geschichte des Öls nicht mehr mit Terror schreiben.
Brasilianische Bischöfe: Die USA führen Krieg wegen Öl
Auch nach Ansicht der Brasilianischen Bischofkonferenz führen die USA ihren Krieg in Zentralasien in erster Linie wegen Öl. Es geht laut den katholischen Bischöfen Brasiliens in erster Linie um »die Bewahrung der westlichen Kontrolle über die Öl- und Gastransportrouten ... Die Gas- und Ölreserven in Zentralsaien und im Kaspischen Meer wären für den Westen eine Alternative, wenn in 20
Jahren die Vorräte im Mittleren Osten zu Ende gingen«.
(‘Frankfurter Rundschau’, 8.12.2001)
Pipeline von Kasachstan durch Afghanistan zum Golf
In Kasachstan lagern die zweitgrößten Erdölreserven weltweit (schätzungsweise 23-28 Mrd. Tonnen), wovon die USA den größten Anteil haben.
Russland plant für 2002 eine Öl-Pipeline mit der siebenfachen Kapazität aller bisherigen Pipelines (Tageskapazität 700.000 Barrel) und drohen somit, die USA vom zweiten Platz in der Ölförderung zu verdrängen.
Wie stark die Weltwirtschaft von der Ölindustrie abhängig ist, sah man vor einer Woche, als der Ölpreis stieg, was die Inflationsraten aller Länder ebenfalls steigen ließ und damit das Weltwirtschaftswachstum abschwächte. Der führende Erdölförderer hat damit gleichzeitig die Kontrolle über den gesamten Weltmarkt.
Mit der russischen ,Riesen-Pipeline‘ droht Amerika, die Kontrolle in der Ölindustrie zu verlieren und kann diesen drohenden Verlust nur wettmachen mit einer eigenen Pipeline. Die USA haben in Kasachstan eine Öl- Pipeline durch Russland, Aserbaidschan und Georgien bis hin zum Schwarzen Meer. Diese Pipeline wurde 1998 in Betrieb genommen und hat eine maximale Tageskapazität von 100.000 Barrel.
Eine weitere Pipeline plant die USA schon seit Jahren durch Russland, Aserbaidschan, Armenien und Kurdistan. Diese beiden Alternativen sind aber für die USA zu unsicher. In Kurdistan sind die politischen Verhältnisse wegen des Befreiungskampfes gegen den türkischen Staat zu instabil. Aserbaidschan und Armenien halten nur Waffenstillstand auf Druck der USA, der Krieg könnte jederzeit wieder ausbrechen. Außerdem können keine Supertanker gefahrlos den Bosporus passieren. Russland ist der Hauptkonkurrent Amerikas und könnte die USA mit Zudrehen des Ölhahns erpressen.
Also muss unbedingt eine dritte Alternative her. Mit dem Iran konnte das Ölkonsortium keine Einigung erzielen. Da China auch ein Konkurrent ist und nicht in Frage kommt, bleibt nur Afghanistan. Wenn Amerika die Pipeline durch Afghanistan nicht bauen würde, drohte ihnen die Kontrolle des Weltmarktes ganz schnell zu entgleiten. Sie haben schon seit 1970 20% weniger Öl gefördert und die amerikanischen Ölfelder in Mexiko und Venezuela können zudem nicht ausgeweitet werden.
Die US-Ölindustrie will natürlich auf alle Fälle die Kontrolle des Weltmarktes nicht verlieren und benötigt daher die Pipeline durch Afghanistan, koste es was es wolle. General a.D. Gerd Schmückle, ehemals stellvertre- tender NATO-Oberbefehlshaber, über die Interventionsziele der NATO:
»Letzten Endes entscheiden die Interessen des Westens, hauptsächlich das Interesse der Vereinigten Staaten, darüber, wo interveniert wird. Alles dreht sich um die Ökonomie. Wo gibt es Öl, wo sind die zukünftigen Ölquellen?«
(Interview in: 'Die Woche', 1.4.1999)
Kriegsminister Scharping hatte schon am Mittwoch im Zusammenhang mit dem Krieg in Afghanistan über Kasachstan gesprochen, die Umgebung sei zu unruhig und eine militärische Lösung wäre not- wendig.
Die Taliban haben sich mit den USA zerstritten und verweigern ihnen den Bau der Pipeline. Das heißt für Bush: Sie müssen weg. Es gibt schon seit Jahren die Überlegung der USA, wie sie den Pipelinebau durchsetzen können. Die Weltöffentlichkeit war aber immer zu aufmerksam und zu kritisch und es haben sich keine Gelegenheiten geboten.
Durch die angebliche Vorlage von Bin Laden, den Anschlag auf das World Trade Center zu verüben, ist die Weltöffentlichkeit abgelenkt und bemerkt das Verbrechen nicht.
Kein Blut für Öl!
Nach oben |