Personal-Service-Agenturen (PSA)

Im Zuge der von der Bundesregierung beschlossenen Agenda 2010 hat die Bundes­anstalt für Arbeit Verträge mit Leiharbeitsfirmen, sogenannten Personal-Service-Agenturen (PSA) geschlossen um wie es hieß die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Beim genauerem Hinsehen fällt jedoch auf, daß diese PSA nur Werkzeug für Lohn­dumping sind. Große Unternehmen in Deutschland bauen immer mehr Arbeits­stellen ab. Nicht mehr benötigte Arbeitnehmer werden zu diesen Personal-Service-Agentu­ren vermittelt, wo man von ihnen verlangt, die Arbeit, welche ihnen dort ange­boten wird anzunehmen, selbst wenn die Arbeitnehmer dort untertariflich bezahlt werden. Bei vielen solcher Leiharbeitsfirmen liegt der Lohn sogar nur in der Höhe ihres bishe­rigen Arbeitslosengeldes. Dies ist ein großer Schritt im Sinne der Herr­schenden, aus Deutschland ein Billiglohnland zu machen was auch ganz im Sinne des Kapitals ist, denn die Arbeitnehmer werden durch diese Situation erpressbar. Denn wer diese sogenannte „zumutbare Arbeit“ nicht annimmt, dem droht die Ar­beitslosigkeit und gegebenenfalls ein Leben am Existenzminimum.

 

In diesem Artikel möchte ich nun anhand des Beispiels der Deutschen Telekom AG darlegen, wie PSA (die DTAG nennt es „Vivento“) funktioniert und welche Folgen dies für die Beschäftigten und das Unternehmen selber hat, verbunden mit einer kleinen Vorgeschichte des jetzigen Umstands. Grund für die PSA oder Vivento ist wie schon eingangs erwähnt der massive Stellenabbau der Deutschen Telekom AG, vergleichbar mit anderen Großunternehmen. Der Stellenabbau resultiert aus dem Willen des Vorstands der Deutschen Telekom AG, die hohen Schulden, welche wäh­rend der Amtszeit des damaligen Vorstandsvorsitzenden Dr. Ron Sommer angehäuft wurden, abzubauen. Diese entstanden durch das riesige Expansionsstreben der DTAG, beispielsweise durch den Kauf des US-amerikanischen Mobilfunkanbieters Voice-Stream. Expansionsstreben und Unternehmensvergrößerung kosten natürlich Geld, wodurch der Service zunehmend auf der Strecke bleibt. Nicht mehr als rentabel angesehene T-Punkte, vorwiegend in ländlichen Gebieten, wurden dichtgemacht, Beschwerden von Kunden waren die Folge. Der Aktienkurs ging zunehmend in den Keller. Hinzu kam, daß der Vorstand um Ron Sommer sich auch durch Ausschüttun­gen der Dividenden von Aktienpaketen bereicherten.

 

Der Weg zu PSA bzw. Vivento verläuft über sogenannte „Clearings“. Der erste Schritt heißt dabei Clearing I. Dabei werden die MitarbeiterInnen ermittelt, welche persönlich vom Stellenabbau betroffen sind. Dafür sind die sogenannten Clearingstellen der einzelnen Organisationseinheiten zuständig. Die Clearingstellen sind paritätisch mit Arbeitgebern und Arbeitnehmervertretungen besetzt. Die Auswahl der für das Unter­nehmen unbrauchbaren Mitarbeiter wird nach den Informationen über die Mitarbeite­rInnen gefällt, z. B. Fragebogen über persönliche und soziale Belange oder die letzte Leistungsbeurteilung. Die MitarbeiterInnen werden auch in Alters- und Leistungsklas­sen eingeteilt, d. h. jede Altersklasse hat zwei Leistungsklassen, nämlich überdurch­schnittlich und unterdurchschnittlich. Vom Stellenabbau sind beide Leistungsklassen gleichermaßen betroffen. Ausnahmen von diesem Clearing gibt es nur bei Unent­behrlichkeit und bei gewissen sozialen Komponenten, welche besonderen Schutz genießen wie z. B. langjährige MitarbeiterInnen, Alleinerziehende, Verheiratete, Mit­arbeiterInnen mit Kindern und Schwerbehinderte.

 

Nachdem die MitarbeiterInnen „gecleart“ worden sind wechseln diese als sogenannte „TransfermitarbeiterInnen“ zu PSA bzw. Vivento. Es wird versucht, diese Auserkore­nen innerhalb des Konzerns eine neue Daueranstellung zu vermitteln. Oft kommt es dabei vor, daß die „TransfermitarbeiterInnen“ auch zu Leih- und Zeitarbeit herangezo­gen werden, was natürlich in häufigen Fällen eine nicht berufsbezogene Anstellung und untertarifliche Bezahlung zur Folge hat. Häufig kommt es sogar vor, daß die Be­schäftigten weit von ihrem Wohnort wegziehen müssen, um eine Stelle antre­ten zu können. Wer von den MitarbeiterInnen „zumutbare“ Arbeit ablehnt, dem dro­hen fol­gende Sanktionen: Ablehnung von einem internen und zwei externen Ange­boten be­deutet Verlust der Ansprüche aus dem Tarifvertrag, Ablehnung von zwei internen und drei externen Angeboten bedeutet die Androhung der Kündigung.

 

Der zweite Schritt, das Clearing II, tritt dann ein, wenn mehrere MitarbeiterInnen, welche natürlich schon in Vivento sind, nur für einen Dauerarbeitsplatz in Frage kommen. Dabei entscheiden Arbeitnehmer und Arbeitgeber in welcher Reihenfolge den MitarbeiterInnen die Stelle angeboten wird.

 

Für die Auszubildenden bei der DTAG gelten gesonderte Reglements. Sie werden direkt nach der Ausbildungszeit in Vivento übernommen, d. h. sie haben nicht mehr die Möglichkeit, sich nach der Ausbildung in einer festen Anstellung zu profilieren und werden gegebenenfalls direkt nach der Ausbildung untertariflich bezahlt. Sie be­kommen auch keinen unbefristeten Arbeitsvertrag in Vivento, sondern der Arbeits­vertrag ist auf zwölf Monate befristet. Das Arbeitsverhältnis endet automatisch nach Ablauf der zwölf Monate.

 

Die Stimmung im Unternehmen selber wird durch diese Maßnahmen natürlich nicht besser. Viele fürchten um ihren Job oder um ihren Lebensunterhalt und haben ge­wisse Ängste bei Vivento ihren Lebensstandard nicht mehr aufrechterhalten zu kön­nen und ihre soziale Sicherheit zu verlieren. Wer kann sucht den Absprung. Folge daraus ist natürlich mehr Konkurrenzdenken unter den Mitarbeitern selber. Mitarbei­terInnen, welche dem Clearing entkommen sind, freuen sich eigentlich über den Schaden der anderen MitarbeiterInnen, welche das Clearing betrifft. Dadurch kann man auch sehen, daß PSA dann auch das ideale Mittel des Kapitals ist, die Arbeit­nehmerschaft zu spalten. Eine weitere Auswirkung ist auch, daß durch den Mitarbei­terschwund die noch verbliebenen Mitarbeiter Überstunden machen müssen. So ist ein 9-Stunden-Arbeitstag im Call Center Vertrieb bei der Telekom keine Seltenheit. Denn im Call Center werden Erreichbarkeitsstatistiken gemacht. Um diese für den Arbeitgeber positiv zu gestalten sind bei steigendem Mitarbeiter­schwund automatisch Überstunden notwendig.

 

Arbeitsplatzerhaltung wird innerhalb der DTAG beispielsweise mehr und mehr auch von den Verkaufszahlen der einzelnen MitarbeiterInnen im Vertrieb abhängig ge­macht. Überall in den Räumen sind Plakate zu lesen, welche den Mitarbeiter dazu anstacheln sollen, mehr zu verkaufen und bewußt Konsumterror unter die Kundschaft zu tragen. Die Kontrolle der MitarbeiterInnen ist dabei absolut maßgebend. Jeder Vertriebsmitarbeiter muß einen sogenannten Wochenreport führen, in dem kontrolliert wird, ob die MitarbeiterInnen ihr Wochenverkaufssoll erreicht haben oder nicht. Bei einem Plakat, welches direkt über der Stechuhr am Eingang hängt, steht folgender Satz geschrieben:“Ab 9. Juli gibt es Winback auch im Ortsnetz. Jeder Kunde zählt und trägt zur Sicherung meines Arbeitsplatzes bei“. Folgen dieser übersteigerten Verkaufsmentalität sind natürlich Unsicherheit beim Kunden, auf der Strecke geblie­bener Service und somit auch wieder verstärkte Konkurrenz unter den Mitarbeitern selber. Insgesamt gesehen kann man sagen, daß die Unzufriedenheit, sowohl beim Kunden als auch bei den MitarbeiterInnen wächst.

 

Als Fazit kann man ziehen, daß dieses Mittel PSA bzw. Vivento eine riesige Mogelpackung seitens der Arbeitgeber ist, die Arbeitnehmerschaft zu spalten und das Lohndumping immer weiter voranzutreiben. Unter dem Größenwahn, das Unter­nehmen der Deutschen Telekom AG weltweit zu expandieren, womit die Schulden angehäuft wurden, müssen nun mehr oder minder diejenigen leiden, welche am we­nigsten dafür können, nämlich die MitarbeiterInnen und KundInnen. Dieser Entwick­lung muß ein Riegel vorgeschoben werden, denn sie löst nur Angst und Unsicherheit aus.

 

Stoppt das Lohndumping!!!

 

 

Quellenangabe: Intranet Deutsche Telekom AG über Vivento; Internetdateien „PSA und Leiharbeit“, „Die Zeit – Leiharbeit für 4,90 Euro.htm“, „junge Welt vom 09.12.2003 – Raubritter.htm“.